Geschichte des Liederkranz 1847


Geschichte

Der Gesangverein "Liederkranz Redwitz" ist im Jahre 1847 von Peter Harthan, einem Korbwarenhändler, gegründet worden.
Schon ungefähr 1835 wurden in Redwitz von einer kleinen Gemeinschaft Quartette gesungen. Es waren in erster Linie Lehrer aus Redwitz und Umgebung und einige sangeskundige Redwitzer Bürger. Es dürften etwa zehn Männer gewesen sein.
Im Jahre 1846 kamen Herrn Peter Harthan ein paar Hefte mit Quartetten dieser losen Gesangsgemeinschaft in die Hände.
Angeregt durch diese Hefte fanden sich 1846 die Brüder Peter und Heinrich Harthan, sowie die Brüder Georg Wilhelm und Johann Nepomuk Pülz zusammen, um einfache Quartette einzustudieren.
Im Jahre 1847 traten zu diesen ersten vier Sängern weitere acht bis zehn hinzu, sodass das Jahr 1847 als das Geburtsjahr des Redwitzer "Liederkranzes" gelten muss.
Im Winter 1847/48 übte dieser kleine Chor eifrig unter der Leitung des Gründers Peter Harthan, einfache Lieder konnten schon gut vorgetragen werden.
Das Jahr 1848 brachte auch in Redwitz revolutionäre Unruhen, die Sangesbrüder ließen sich dadurch wenig irritieren und die Übungsstunden gingen weiter.
In den ersten Jahren gehörten sieben Lehrer aus Redwitz und Umgebung dem Verein an. Sie waren durch ihre musikalische Vorbildung für den Verein eine wesentliche Stütze. Ein Lehrer, Herr Göckel, erteilte 1854/55 im Verein sogar Einzelgesangsunterricht.
Ende der 50er Jahre im 19ten Jahrhundert übernahm dann der Lehrer Leicht aus Obristfeld die Dirigentschaft.
Von da ab wurde die Arbeit im Verein intensiver und die Leistungen des Chores wurden immer besser. Diese freie Vereinigung von zehn bis zwölf Sängern bestand bis zum Jahr 1862. In diesem Jahr gab sich dann der Verein eine Satzung, die am 12. Juli 1862 vom kgl. Bezirksamt in Lichtenfels genehmigt wurde. Von diesem Zeitpunkt an trägt der Verein den Namen Liederkranz Redwitz.
Das Original der Statuten ist noch vorhanden. Der Verein hatte 14 Gründungsmitglieder. Die Namen der Herren sollen auch in dieser Festschrift erwähnt werden, sie lauten:
Peter Harthan, Friedrich Hacker, Johann Pülz, J. Gampert, Georg Wilhelm Pülz, J.M. Hacker, Adam Hacker, Lehrer Leicht, Heinrich Harthan, Johann Meusel, Friedrich Appel, J.G. Dressel, J.M. Mahr, Gebhardt.


Liederkranz Redwitz, Aufnahme 1868

Und nun folgt ein kurzer Auszug aus den neuen Statuten:

§4: Neue Mitglieder mussten einen guten Leumund haben und stimmlich geeignet sein. Ihre Aufnahme als ordentliche Mitglieder erfolgte durch Stimmenmehrheit mit Hilfe der Ballotage
(Abstimmung mit Hilfe von schwarzen und weißen Kugeln).

§7: Aktive Mitglieder bezahlen einen monatlichen Beitrag von 3 Kreuzer, passive Mitglieder bezahlen 6 Kreuzer. Die Aufnahmegebühr beträgt 36 Kreuzer.

§12: Solange ein Quartett gesungen werden kann, ist der Verein als bestehend zu betrachten. Löst sich auch dieses auf, so bestimmen sämtliche Vereinsmitglieder über die Verwendung des Vereinsvermögens.
Bis heute musste diese Bestimmung noch nicht angewandt werden und wir hoffen, dass es so bleibt.
Im Jahre 1868 hatte der Verein 17 aktive Sänger.

Nach dem Krieg 1870/71, aus dem alle eingezogenen Vereinsmitglieder gesund heimkehrten, wuchs der Verein stetig. Dies war wohl eine Folge der stärkeren wirtschaftlichen Entwicklung in Redwitz.
Die großen Korbhandelsfirmen unterstützten den Verein sehr.

Anfang der 80er Jahre wurde auf Anregung des damaligen Dirigenten, des Kantors Gebhardt, sogar ein gemischter Chor gegründet. Geprobt wurde in der Schule am Kirchberg. Dem Chor gehörten sieben bis acht junge Damen an. Dieser Chor bestand nur acht bis zehn Jahre.
Um das Jahr 1890 war es nicht gut bestellt um den Liederkranz. Der Nachwuchs fehlte und es bestand die Gefahr der Überalterung. In diese Zeit fiel die Gründung des Turnvereins. Im Turnverein fanden sich junge Leute, die neben dem Turnen innerhalb des Turnvereins dem Gesang dienten. Der Leiter dieser Sängerriege war kein geringerer als Karl Harthan, der spätere langjährige Dirigent des Liederkranzes Redwitz.

Am 8. Mai 1892 lag der Generalversammlung des Liederkranzes ein Antrag der singenden Turner vor, in dem diese baten, das Klavier des Liederkranzes mitbenutzen zu dürfen. Die sich daraus ergebende Chance nutzten die Sänger. Den Turnern wurde vorgeschlagen, sich mit ihrer Sängerriege doch dem Liederkranz anzuschließen. Man machte ihnen dies auch dadurch schmackhaft, dass die fälligwerdende Aufnahmegebühr gestundet werden sollte.
Die Sängerriege nahm nach einigem Zögern das Angebot an und trat geschlossen zum Liederkranz über. Hier war die Nachwuchsfrage gelöst und gleichzeitig hatte der Chor einen hervorragenden Dirigenten gefunden, der dem Liederkranz 53 Jahre lang treu blieb.


Karl Harthan, er leitete 55 Jahre lang den Chor und
war danach bis zu seinem Tode Ehrendirigent


Das Jahr 1897 sollte zu einem Höhepunkt im Vereinsleben werden. Der Liederkranz feierte sein 50-jähriges Bestehen. Zu diesem Zeitpunkt hatte der Verein 32 aktive Sänger, 7 ruhende, ein Ehrenmitglied, kein passives Mitglied.
Zu diesem Jubiläum wurde eine Fahne angeschafft. Hersteller war die Firma Arnold in Coburg. Das gute Stück kostete damals 275 Mark und 5 Mark Trinkgeld.
Die Fahnenweihe und das ganze Fest waren ein großer gesellschaftlicher Erfolg. Ein herausragendes Ereignis war das Auftreten eines Quartetts von Sängern aus dem Gründungsjahr. Die Herren Peter Harthan, Wilhelm Pülz, Johann Nepomuk Pülz und Johann Meusel erhielten viel Beifall. Wirtschaftlich war das Jubiläum ein Verlustgeschäft. Man musste danach ein Darlehen von 100 Mark zu 4% Zinsen aufnehmen.

Der Liederkranz war 1914 auf einem Höhepunkt seines Schaffens. Bei einem Preissingen in Meiningen wurde er als bester bayerischer Chor mit dem 6. Preis ausgezeichnet.
Leider brachte der nun beginnende 1. Weltkrieg das Vereinsleben fast zum Erliegen. Dreiviertel der Sänger waren eingezogen worden, ein Sangesfreund, Johann Schedel, kam nicht zurück.
Am 6. Januar 1919 war es dann soweit, nach dem Krieg fand die erste Generalversammlung statt und der Chor nahm seine Arbeit wieder auf. Bei Liederabenden und Kommersen trat der Liederkranz an die Öffentlichkeit. Das Vereinsleben war recht eingeschränkt, denn die Inflation ging auch am Liederkranz nicht spurlos vorüber.

Im Jahre 1922 wurde das 75-jährige Jubiläum des Liederkranzes gefeiert. Den Bericht der damaligen Vorstandschaft wollen wir hier im Wortlaut wiedergeben.
Er lautet:
Um der Nachwelt eine dauernde Erinnerung zu hinterlassen, wird nachstehende kurze Chronik niedergeschrieben. Nachdem alle Einzelheiten durchdacht und die Arbeiten verteilt waren, versammelten sich am Samstag, den 20. Mai 1922, früh 7 Uhr, die Hälfte der Mitglieder auf dem Schlosshof, welcher dem Verein von Herrn Gampert in liebenswürdiger Weise als Festplatz überlassen wurde, während die andere Hälfte mit Aufstellen von Ehrenpforten beschäftigt war. Nachmittags 6 Uhr waren alle Arbeiten erledigt und um 7 Uhr kamen schon die ersten Vereine an, auch die Festmusik, die Kapelle Brandt aus Kronach, stellte sich ein. Nach dem Zapfenstreich beginnt bei Herrn Fritz Köhler der Festkommers, eingeleitet von einigen Musikstücken. Der Hauptpunkt des Abends ist der Festakt. Begrüßung der auswärtigen Gäste, Aushändigung von Ehrenurkunden durch den 1. Vorstand, Herrn Fritz Köhler.
Hierauf Dankerstattung der Geehrten durch Herrn Hauptlehrer Kern, hernach Übergabe zweier prachtvoller Pokale durch Herrn Georg Hanft, gestiftet von den Herren Fritz Hanft und Otto Bürger, Nürnberg. Nachdem noch verschiedene Toaste ausgebracht wurden, folgte der gemütliche Teil, ausgefüllt durch Gesangsvorträge der Gesangvereine Neufang, Kronach, Lichtenfels etc.
Alles in allem ist dieser Abend als gelungen zu bezeichnen.
Sonntag, den 21. Mai 1922, früh 6 Uhr, Weckruf. Empfang der Gäste von 10 bis 12 Uhr, Festzug ab ½ 2 Uhr. Nach Ankunft desselben Begrüßungschor mit Musik, dann die Festrede, gehalten von Herrn Hauptlehrer Kern, hierauf Fortsetzung des Preissingens.
Abends 7 Uhr Preisverteilung. Der beste Männerchor kam aus Neufang und der beste gemischte Chor aus Stockheim.
Ab 9 Uhr abends Ball in 2 Sälen.
Die nächsten Jahre der Vereinsgeschichte waren geprägt von Freundschaftssingen und guten Kontakten zu unseren Patenvereinen, 1923 waren der Verein Harmonie Oberlangenstadt und der Gesangverein Sängerhain Marktgraitz dazugekommen. Sogar zum Gesangverein Teutonia Hof gab es freundschaftliche Beziehungen.

Im Jahre 1927 wurde dem Liederkranz die große Ehre zuteil, das Gausängerfest des neu gegründeten Sängergaues Frankenwald auszurichten. Das Fest fand in der (nicht mehr existierenden) Turnhalle am Sportplatz statt. Neben den Sängern aus allen Vereinen war auch die Musikkapelle Schmidt aus Marktzeuln mit von der Partie.

Jetzt kam eine unruhige Zeit über den Verein. Die Nationalsozialisten verlangten die
Gleichschaltung der Vereine. Der Liederkranz wehrte sich anfänglich und die ganze Vorstandschaft trat geschlossen zurück. Daraufhin wurde der bisherige 1. Vorsitzende Adam Bauer vom damaligen Ortsgruppenleiter Christof Wagner einfach wieder als 1. Vorsitzender ernannt. Das war am 30.09.1933. Adam Bauer trat dann am 5. Mai 1934 erneut zurück und der Hauptlehrer Max Bergmann übernahm am 7. Mai 1934 die Vereinsführung. Am 4. Oktober des gleichen Jahres fand eine Generalversammlung statt und wie bei einer Verschwörung wurde der nicht anwesende Adam Bauer einstimmig wieder zum 1. Vorsitzenden bestimmt. Er wurde herbeigeholt und nahm die Wahl erst an, als er in einer zweiten Abstimmung wieder einstimmig gewählt wurde.

Für die nächsten Jahre schweigt die Chronik. Es ist aber trotzdem bekannt, dass das Vereinsleben nicht ganz zum Erliegen kam. Aus Anlass des 90-jährigen Bestehens fand am 5. Dezember 1937 im Gasthof Schwan ein Sängerkommers statt. Auf dem Marktplatz war ein Massenchor mit dem Lied "Wo gen Himmel Eichen ragen" geplant. Der Zweite Weltkrieg lähmte auch den Liederkranz, die jüngeren Sänger waren eingezogen und nur die älteren kamen noch manchmal zu Ständchen oder Trauergottesdiensten zusammen. Sechs Sangesbrüder kamen nicht aus dem Krieg zurück.


Chor des Liederkranzes im Jahre 1947 mit dem Dirigenten
Paul Krumbein und dem Ehrendirigenten Karl Harthan


Die Nachkriegszeit war auch für die Sänger nicht leicht, die Menschen hatten andere Sorgen, als dem Freizeitvergnügen nachzugehen. Und doch fanden sich die Sangesbrüder recht schnell wieder zusammen. Der gemischte Chor hatte sich aufgelöst und so war es nur der Männerchor, der in Redwitz die Tradition des Vereins fortführte.
Das im Jahr 1947 anstehende 100-jährige Jubiläum galt es vorzubereiten und dann auch durchzuführen. Der verdiente Dirigent Karl Harthan, er hat den Chor 55 Jahre lang geleitet, musste 1945 aus gesundheitlichen Gründen sein Amt aufgeben. Der Verein stand fast ein Jahr ohne Dirigent da. Der damalige 2. Vorstand Georg Hanft schilderte die Situation so:

1945/46 musste der Verein eine schwere Krise durchmachen, denn er war jetzt ohne Dirigenten und das Jahr des 100-jährigen Bestehens rückte immer näher. Da sprang als Retter in der Not unser lieber Herr Krumbein, er war Lehrer, ein, und übernahm im Jahre 1946 die Dirigentschaft des Vereins. Durch unermüdlichen Fleiß brachte er den Chor, der durch die langen Kriegsjahre aus der Übung gekommen war, wieder auf die alte Höhe und so konnte man frohgemut sein Jubiläum in aller Öffentlichkeit begehen. Wir sind unserem verehrten
Herrn Krumbein ganz besonders zu Dank verpflichtet.

Über das Jubiläum schreibt Georg Hanft dann folgende Sätze:
Auf das Fest des 100-jährigen Bestehens am 13. Juli 1947 zurückzukommen, möchte ich bemerken, dass dies das erste Sängerfest nach dem 2. Weltkrieg in unserem Kreisgebiet war und einen großen Besuch zu verzeichnen hatte. Leider bedingte die Lebensmittelknappheit das Fest in größerem Umfange abzuhalten. Doch es nahm auch in kleinerem Rahmen " begünstigt durch das schöne Wetter " einen herrlichen Verlauf und wird wohl manchem Beteiligten in ewiger Erinnerung bleiben.

Dieses Sängerfest war der Beginn eines großen Aufschwungs für den Liederkranz. In den folgenden Jahren erreichte der Verein eine Stärke von annähernd 80 Sängerinnen und Sängern, nachdem im Jahre 1950 wieder ein gemischter Chor gegründet worden war. Im Jahre 1955 verkleinerte sich der gemischte Chor weiter und die Vorstandschaft entschloss sich, ihn vorübergehend ruhen zu lassen, um ihn vor der Auflösung zu bewahren.

Noch 1955 konnte als Nachfolger für Erich Maurer der Arzt Dr. Alfred Stürzenhofecker als Dirigent gewonnen werden. Danach verzeichnet die Chronik des Chores Folgendes:

Herr Dirigent Dr. Stürzenhofecker stellt an den Chor hohe Anforderungen und es bedarf des vollen Einsatzes der Sänger, diesen Anforderungen zu genügen. Langsam aber stetig steigt die Leistung des Männerchores. Dies wurde auch bei den verschiedensten Anlässen, wie bei Wertungssingen, Vereinsjubiläen, Kirchenkonzerten und Sängerfesten immer wieder unter Beweis gestellt.
Beim Schützenfest 1956 gestaltet der Liederkranz auf Wunsch des Schützenvereins sogar ein Kameradschafts-singen im Schützengarten. Bei der Generalversammlung am 6. Januar 1957 stellte eine Sprecherin des ruhenden gemischten Chores den Antrag, doch wieder einen gemischten Chor einzurichten. Man beschloss dies zu tun, wenn sich genügend Sängerinnen fänden. Noch im gleichen Monat haben sich 28 Sängerinnen bereit erklärt und am 31.
Januar 1957 fand die erste Probe des gemischten Chores statt, dem sich fast alle Sänger des Männerchores anschlossen.
Vor der Verleihung der Zelter-Plakette an unseren Liederkranz gab der 1. Bürgermeister Albert Blankertz folgende Stellungnahme über den Verein ab:

Für den Ort Redwitz und seine nähere Umgebung war und ist der "Liederkranz" ein vorbildlicher Verein kultureller Art. Er hat durch die Pflege des deutschen Liedes in fast allen Häusern der Gemeinde die Sangesfreudigkeit belebt und durch sein Wirken den deutschen Liedschatz in weiten Kreisen der Bevölkerung bekannt gemacht und damit am Leben erhalten. Er hat eine große volksbildende und, durch die Güte seiner Darbietungen, eine hohe künstlerische Aufgabe für unseren Ort und seine Umgebung im letzten Jahrhundert erfüllt.
Wie immer steht der Liederkranz auch heute noch mit seiner Arbeit mitten im dörflichen Leben und bildet das Rückgrat bei allen dörflichen Ereignissen und Feierstunden, die durch das Lied verschönt werden können. Seine Veranstaltungen bilden den Mittelpunkt des dörflichen Musiklebens.


Unterschrift des Bundespräsidenten Theodor Heuss auf der Urkunde zur Zelterplakette